D O N   L U I S

"Wird nicht die Mortadella
von Blinden gemacht?"
Benjamin Peret
(Zitiert aus Luis Bunuel - Mein letzter Seufzer)

Schweren Arsches schiebt sich Don Luis aus dem Bett. Ein Tag gruftener Finsternis, eine bittere, mittägliche Wolfsstunde ist überstanden. Angewidert betrachtet er den überquellenden Aschenbecher und die halbe Flasche Absinth. Der freundliche Mond scheint in sein erdfeuchtes Nachtgemach, spiegelt sich kalt in den Wassertropfen an den Granitwänden. Der Don zittert sich die Brille auf die Nase und schnippt einen zerquetschten Zigarettenstummel aus dem Sarg. Conchita würde die Asche später, vor sich hin psalmodierend und schimpfend, zusammenfegen, mit all den Krümeln und Papierchen seiner Lieblingspralinen. Ächzend bückt er sich und hebt das Stickzeug vom Boden, das ihm beim Einschlafen aus der Hand geglitten war. Er schlurcht ins Badezimmer.

Flüchtig rasiert er sich, schnuppert angewidert den frischen Duft des After Shave und bindet langsam seine Krawatte, schiebt den Knoten nach hinten; sie würde sonst doch wieder in den Kaffee hängen. Zwei Hausratten eilen pfeifend unter die Waschkommode, ein Fledermäuschen zwängt sich hinter den Rasierspiegel.

Müde beobachtet Don Luis das Dienstmädchen beim Tischdecken, genießt den Anblick des alabasternen Ärschleins, das unter der Servierschürze hervorlugt. Ungeduldig erwartet er seine Familie und Freunde. Endlich wieder Sonntag. Er freut sich sehr auf seine Enkel, jene nahen Anverwandten, die auf der anderen Seite des Seins einmal seine Eltern gewesen waren. Irgendwann würde wohl auch er zum Sohn, Enkel und Urenkel werden; langsam erneut hinausgeschoben in die Endlosigkeit des Nichts.

Er freut sich. Sie würden einander so viele Geschichten erzählen, bis keiner mehr weiß, wer welche erzählt hatte. Wie er seine Lieben kennt wird jeder versuchen, den Vorerzähler zu übertrumpfen.

Er setzt sich umständlich an den gedeckten Tisch. Behutsam zieht er sein Rasiermesser ab und streicht sich Butter auf einen Croissant, ißt ihn schmatzend.

Möglicherweise würde ihn seine zweieinhalbjährige Wer-Nichte mit ihrem Einfingerhandstand im Eierbecher überraschen. Die Brille rutscht ihm von der Nase. Er ist ein wenig eingenickt.

Seine Tochter stürmt plappernd ins Zimmer, beim Guten-Morgen-Biß sticht ihm ihre Nase ins Auge; es brennt höllisch lebendig.

Don Luis geht seinen Stickrahmen holen. Die Gäste sind da.

© by E. Perez Kurz-Ruesch
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