Da war es wieder, jenes glockenhelle Lachen. Klopfenden Herzens hatte ich die Nummer gewählt. Als das Freizeichen erklang, spürte ich meine Hände feucht werden. Am anderen Ende wurde ein Name genannt, und als ich fragte:"Wer?", sagte sie nur:"Ich bin's schon!"
Und dann lachte sie jenes glockenhelle Lachen, das mich all die Jahre begleitet hatte. In warmen Sommernächten; während klirrender Winterstunden, wenn ich die Stadt durchstreifte und die Vergangenheit nicht mehr greifen konnte. Schon lang hatte ich vergessen, woher dieses Lachen kam.
Fünfzehn Jahre. Jahre, in denen deshalb alles anders gekommen war, weil wir nie den Zeitpunkt erwischt hatten. Nach jener Woche im Bayerischen Wald, als wir auseinandergegangen waren, als sei nichts gewesen. "Servus", einfach, "bis Montag dann!" Oder an jenem Abend, als wir fünfmal um den Häuserblock liefen; keiner sagte: "Nimm' mich mit hinauf!", keine: "Komm' mit!"
Ich war dann fortgegangen. Der Brief mit den drei kleinen Worten "Ich liebe Dich" wurde nicht geschrieben. Die Sehnsucht blieb unbenannt. Jahre später hatten die Worte ihre Kraft verloren, sie sagte: "Nein!" Ich starrte fassungslos in ihr Auto, wurde grob.
Wieder vergingen Jahre mit Menschen, Träumen und Jobs. Schließlich lagen Ehegatten und zwei kleine Töchter zwischen den Tagen in Bodenmais und dem Anruf vorhin. Von einem kurzen Zufallstreffen abgesehen. Als es ihr schlecht ging, hatte sie mich nicht angerufen.
Für wenige Minuten wurden wir aus dieser Welt gehoben.
Vielleicht hatten ihre Kollegen auch nur ein nervöses Kichern gehört. Vielleicht hatten meine Kollegen angenommen, mein gerötetes Gesicht käme vom vielen Kaffee. Für mich war es ein übermütiges Feenlachen gewesen.
© by E. Perez Kurz-Ruesch